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 ▶ Ein Beitrag vom 02.10.2015
Händewaschen: Macht antibakterielle Seife Sinn?
Viele Infektionserkrankungen werden über die Hände übertragen. Deshalb sind Hände regelmäßig zu waschen, im medizinischen Bereich ist Händedesinfektion Vorschrift. Doch immer mehr werden antibakterielle Produkte vor allem für private Verbraucher angeboten. Doch warum raten Fachleute von der Verwendung von antibakterieller Seife ab?

Viele dieser antibakteriellen Waschlotionen enthalten den Wirkstoff Triclosan, der häufig in geringen Mengen als Konservierungsmittel eingesetzt wird. Damit werden viele kosmetische Produkte vor Verkeimungen geschützt. Die meisten antibakteriellen Waschlotionen werden einfach mit einer erhöhten Menge Triclosan ausgestattet, um auch eine Keimreduztierende Wirkung auf der Haut zu erzielen.

Triclosan ist allerdings auch als Konservierungsmittel umstritten. So soll Triclosan ähnlich wie ein Hormon wirken und führte in Tierversuchen zu Muskelschwächen. Neben der Umweltbelastung könnte der Wirkstoff bei erhöhter Abgabe unnötige Resistenzen fördern. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fordert daher seit geraumer Zeit die Verwendung einzuschränken. Schon jetzt besteht ein Verbot großflächiger Anwendungen auf der Haut in Cremes. Dennoch findet sich Triclosan immer noch in Zahnpasta, Mundwasser und vielen anderen Kosmetischen Produkten.

Jetzt haben Forscher der Korea University in Seoul in einer Studie untersucht, ob überhaupt antibakterielle Seifen mit Triclosan effektiver wirken als normale Waschprodukte. Im Labor wurde in einem ersten Test Seife mit und ohne Triclosan mit Bakterien (E. coli, Salmonellen und Listerien u.a.) geimpft und nach 20 Sekunden ausgewertet, ohne dass ein signifikanter Unterschied festgestellt werden konnte. In den kurzen Anwendungszeiten beim Händewaschen, wirkt Triclosan demnach nicht.

In einem Praxisversuch wuschen sich Testpersonen unter den gleichen Bedingungen die Hände, nachdem sie mit einem Testkeim kontaminiert worden sind. Auch hier konnte keine bessere Wirksamkeit der Produkte mit Triclosan festgestellt werden.

Auch das Hände waschen vor der Händedesinfektion ist unter diesem Gesichtspunkt nicht günstiger, zumal durch die vorhergehende Hyperhydratation der Haut, aufgetragene Händedesinfektionsmittel verdünnt werden und nicht mehr wirksam sind.

Erst nach 9 Stunden konnten die Wissenschaftler eine erhöhte Effektivität mit Triclosan feststellen. Diese Ergebnisse lassen große Zweifel an Werbeaussagen der Industrie aufkommen, da oftmals die Werbeaussagen sich nicht halten lassen.

Hauptproblem sind die nicht belegten keimreduzierenden Auslobungen. Entsprechende Tests sind allerdings für professionelle Produkte für die Nutzung in Küchen und anderen lebensmittelverarbeitenden Betrieben etabliert. Die EN1499 legt als Prüfnorm die entsprechenden Rahmenbedingungen fest, die VAH (Verbund für Angewandte Hygiene e.V.) sieht eine entsprechende Listung unter der Rubrik „Hygienische Händewaschung“ in der VAH-Liste vor, bei der eine deutlich bessere Keimreduktion gefordert wird, als beim normalen Händewaschen erreicht werden kann. Viele der antibakteriellen Produkte würden diesen Test nicht bestehen.

Im medizinischen Bereich müssen Waschlotionen nicht unbedingt eine antimikrobielle Wirkung aufzeigen und können nicht die „Hygienische Händedesinfektion“ ersetzen. Die entscheidende Keimreduktion sollte mindestens 99,999% aller Keime abtöten, was nur mit einem medizinischen Händedesinfektionsmittel erreicht werden kann.

Zum Schutz vor Infektionen gilt im privaten Bereich die Regel, Hände gründlich mit milden Waschlotionen nach dem Toilettengang, vor dem Essen und in regelmäßigen Abständen zu waschen.

Quelle:
Veröffentlichung „Journal of Antimicrobial Chemotherapy“

www.brennpunkt-hygiene.de