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 ▶ Ein Beitrag vom 22.09.2014
Handschuhwechsel
Der Umgang mit Handschuhen steht immer wieder auf den Schulungsplänen medizinischer Einrichtungen und das nicht ganz zu unrecht. Das Tragen von Handschuhen, sowie der Handschuhwechsel werden in der Praxis oft mangelhaft umgesetzt, obwohl die Aufklärung hoch sein müsste. Dabei stellt der Handschuhverbrauch nur eine Kleinstposition in den Kosten der medizinischen Einrichtungen dar. Vielmehr kann der regelmäßige Handschuhwechsel viel Kosten sparen.

Eine Studie der Uniklinik Basel aus dem Jahr 2009 (Arch Surg. 2009; 144 (6): 553-558) hatte den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Infektionen und sichtbaren Beschädigungen von OP-Handschuhen untersucht. Bei 677 von 4.147 chirurgischen Eingriffen waren die Handschuhe sichtbar beschädigt, und bei 7,5 % dieser Eingriffe traten Infektionen auf. Von den 3.470 Eingriffen, in denen die Handschuhe intakt blieben, wurden dagegen nur in 3,9 % der Fälle Infektionen beobachtet. Die OP-Handschuhe wurden insbesondere während Operationen beschädigt, die länger als zwei Stunden dauerten (34 %), im Gegensatz zu Operationen von geringerer Dauer (9,4 %).

Sterile OP-Handschuhe sollen während eines chirurgischen Eingriffs vor allem hauteigene Erreger des OP-Teams abhalten. Bei Beschädigungen der Handschuhe können Keime in die Wunde übertragen werden. Vor dem Hintergrund, dass das Risiko einer Perforation mit der Tragedauer steigt und zusätzlich bei nicht richtig passenden Handschuhen erhöht wird, macht ein häufiger Handschuhwechsel Sinn. Hauptursache für die Handschuhbeschädigungen während Operationen sollen nach der Studie vor allem Nadeleinstiche, spitze Knochenfragmente oder scharfkantige OP-Instrumente sein.

Eine Antibiotika-Prophylaxe während des Eingriffs verminderte die Infektionshäufigkeit auch bei beschädigten OP-Handschuhe. So sollte in der Baseler Studie aufgezeigt werden, dass trotz des verminderten Infektionsrisikos eine Antibiotika-Prophylaxe gegen hohe Kosten und unerwünschte Folgen wie bakterielle Resistenzen möglicherweise sinnvoll sein kann. Eine kostengünstige Lösung ist nach der Studie allerdings der regelmäßige Handschuhwechsel.

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) hat zu dem Thema Handschuhen in Ihrer Empfehlung zur Händedesinfektion und Händehygiene unter Punkt 4. Handschuhe deutliche Verfahrensweisen zusammengetragen, die auch auf das Thema der Perforation eingehen.

Ein häufiger Handschuhwechsel ist auch im Bereich der Pflege wichtig. Zum einen kontaminieren die Handschuhoberflächen schnell und im Gegensatz zur Haut kann der Handschuh nicht aktiv reduzieren. Andererseits sind die Gefahren für die Haut durch langes Tragen von Untersuchungshandschuhen problematisch. Im Handschuh entsteht nach kurzer Zeit ein Wärmestau, durch die Schweißbildung quillt die Haut auf und wird nachhaltig beschädigt. Zusätzlich können sich in den getragenen Handschuhen durch die Wärme besonders gut Hautkeime vermehren, die schließlich dann übertragen werden können.

Dennoch, ein Handschuhwechsel birgt auch die Gefahr der Kontamination der Hände. Beim Abstreifen kommt es regelmäßig zur Keimübertragung vom Handschuh auf die Haut zurück. Aus diesem Grund ist eine hygienische Händedesinfektion nach dem Abstreifen von Handschuhen unerlässlich.

Insgesamt gelten viele Mitarbeiter im medizinischen Bereich als „Handschuhmuffel“. Gerade bei Punktionen und Injektionen fehlt der Handschuhwechsel oder wird der Handschuh gerne weggelassen. Ziele der Aufklärungsarbeit finden sich in allen Bereichen des Gesundheitswesen von der Hilfskraft bis zum Professor und ist eine tagesfüllende Aufgabe für Hygienebeauftragte.

Wichtige Informationen:
Empfehlung des Arbeitskreises "Krankenhaus- und Praxishygiene" der AWMF für Einrichtung des Gesundheitswesens
Mitteilung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut

Quelle:
www.brennpunkt-hygiene.de